HOME  -   PORTRAIT  -   KNOW HOW  -   EXPERTEN  -   WISSENSWERTES  -   LEBENSART  -   NEWS  -   BLOG  -   FORUM  -   TERMINE  -   LINKS  -   KONTAKT



Trotz Börsenbeben
Alte Liebe rostet nicht

Oldie Investition
Oldie Investition


In einigen Filmsequenzen des neuen Bondstreifens „Ein Quantum Trost“ ist ein Aston DBS Supercar bei einem scharfen Verfolgungsrennen zu sehen, auf der Uferstraße des Gardasees und später noch einmal im Marmorwerk von Carrara, bevor er durch die schmalen Gassen eines toskanischen Städtchens verschwindet.

Schon kurz nach Filmstart machte eine Meldung die Runde, ein anonymer Sammler hätte Aston Martin für den demolierten Wagen 250.000 Euro geboten. Aston Martin dementierte: „Wir bewahren das Fahrzeug noch immer auf und haben nicht verkauft. Der DBS fährt noch, ist aber in schlechter Verfassung.“

Die Geschichte über den übereifrigen Bieter - auch wenn sie nicht wahr sein sollte - zeigt, wie sehr sich der Markt der Sammler-Fahrzeuge überschlägt, und das, obwohl der Neuwagenmarkt kollabiert. Einen neuen DBS aus dem Luxus-Segment von Aston Martin, bekommt man „schon“ für runde 180.000 Euro.

Woher kommt der plötzliche Run auf Fahrzeuge mit Historie? Wirtschaftsmagazine von Financial Times bis zur Wirtschaftswoche titeln vom bleibenden Investment und der immer noch guten Renditemöglichkeiten bei Oldtimern. Doch bis vor wenigen Wochen galten Ölbilder, Installationen und Fotografien auch noch als krisensichere Geldanlagen. Aber inzwischen hat der der Börsencrash auch die Kunst-Auktionssäle erreicht und viele der erfolgsverwöhnten Galeristen und Auktionshäuser bleiben auf ihren Kunstgegenständen sitzen.

Verglichen mit Stocks scheinen Oldtimer eine sichere Investition

Dem Thema „Oldtimer als Investition“ widmete sich denn auch die Frankfurter Allgemeine und Automobilhändler Marco Fusco aus Hofheim erklärt, dass „die teuren Stücke, die alle mindestens dreißig Jahre auf der Haube haben, in Zeiten fallender Börsenkurse die ideale Anlageform“ seien. Mercedes-Spezialist Klaus Kienle, Kienle Automobiltechnik, lies verlauten: „Viele Oldtimer-Fans erweitern momentan ihre Sammlungen, geben teilweise über eine Million Euro für ein Prachtexemplar aus. Die Erfahrung zeigt, dass vor allem die Vorkriegsmodelle nicht an Wert verlieren und eine solide Anlage sind.“ Keith Martin, Herausgeber des amerikanischen „Inside Guide to Collecting, Investing, Values and Trends“ meint: „Verglichen mit Stocks oder Häusern scheinen historische Autos momentan eine ziemlich sichere Investition zu sein. Aber es müssen wichtige Fahrzeuge sein. Einen viertürigen Chevy von 1957 mit Automatik-Getriebe und einem 6-Zylinder zu restaurieren ist keine kluge Idee, aber eine 1958 gebaute Einspritzer Corvette mit allen Papieren des Herstellers ist ziemlich gut. Es werden keine Corvettes mehr gebaut und mehr 1958 Corvettes, als heute erhalten sind werden es nicht werden.“

„Es ist bei Oldtimern ein bisschen wie mit einem echten Picasso an der Wand“, so Max Girado von RM Auctions in London. „Ein Picasso wird immer einen gewissen Wert behalten, aber wenn Sie ein Stück Moderne Kunst haben, ist es schwer damit Krisenzeiten zu überstehen.“

Von der Flucht in werthaltige Kunst-Objekte

Für Automibilhistoriker Peter Schack, („hochwertige Klassiker sind ziemlich einmalige Kunstwerke der Technik-Geschichte“) gibt es derzeit noch keine wirklich schlüssige Antwort auf die Rolle von Oldtimern in Zeiten der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise: „Man könnte natürlich an eine "Flucht in werthaltige Kunst-Objekte" glauben. Dieser Prozess bedarf jedoch eines gewissen Umstellungszeitraumes und setzt nicht spontan und mit Macht ein. Mittelfristig wird sich das sicherlich verstärkt bemerkbar machen, kurzfristig spielt jedoch die parallele, beginnende Wirtschaftskrise eine unkalkulierbare Rolle. Es könnte zunächst einmal zu einem verstärkten Angebot von mittelwertigen "Oldtimern" am Markt kommen, was nicht ohne Auswirkungen auf die Preise in diesem Sektor bleiben kann.“

Seltene Oldtimer sind wertstabil, beim Durchschnitt bröckelt der Preis

Analisten, die den Anlagemarkt beobachten, bestätigen, dass vor allem seltene Oldtimer wertstabil sind, während andere Anlagemärkte einbrechen und selbst der Markt für Durchschnitts-Oldtimer bereits bröckelt.

„Eine Rückkehr zu Sachwerten mit hoher Spaßrendite“ sieht Martin Halder, Initiator vom „Meilenwerk“. „Je mehr Neuwagen in der Umweltdiskussion sind, je mehr sich Menschen mit Benzinpreisen und Abgasen auseinandersetzen müssen,“ so Halder „um so mehr flüchten sie in Nischen, um ihre automobile Leidenschaft zu leben.“

Von den in Deutschland zugelassenen 41 Millionen Fahrzeuge, sind gerade mal 283 Tausend Oldtimer, über 30 Jahre alt und dürfen mit dem steuergünstigen H-Kennzeichen fahren. Aber der Markt wächst und wächst. Neben der emotionalen Seite sind viele Neueinstiegswillige beeindruckt von den Renditemöglichkeiten, die immer wieder nach Auktionen Furore machten, beispielsweise wenn ein Ferrari 330 TRI/LM aus dem Jahr 1962 sensationelle 9,28 Millionen Dollar erzielt. In wirtschaftlichen Krisenzeiten lockt neben Edelmetall wie Gold, das in schönster Regelmäßigkeit anzieht, wenn alles andere sinkt, auch historisches Edelblech als sicheres Investitionsgut.

„Das sind Ausnahmefälle, aber es ist korrekt, dass das Preisgefüge bisher kontinuierlich nach oben ging", bestätigt Norbert Schröder von Kleofaktum Automotive nach mehr als 30 Jahren Markterfahrung. Dennoch sind Oldtimer als Investition mit Vorsicht zu genießen.

„Es geht bei einer tatsächlichen Investition in ein klassisches Fahrzeug nicht um persönliches Gefallen oder augenblickliche Attraktivität, sondern um die wirklichen Grundwerte“, erklärt Peter Schack.

Wichtigstes Kriterium für die Oldtimer Investition: lückenlose Historie

Die Fachleute sind sich einig: erstes Kriterium für die Wahl eines Oldtimers ist neben dem Zustand die lückenlos belegbare Historie des Fahrzeuges, die die Authentizität des Objektes bestätigt. „Sie übersteigt in vielen Fällen“, so Schack „den reinen Sachwert.“ Während bei uns noch vor zehn Jahren ausschließlich Oldtimer mit makellosem Aussehen in die höchsten Preiskategorien aufstiegen, mach sich inzwischen ein neuer Trend bemerkbar: Lieber Patina und original, als überrestauriert. „Das überträgt sich aus der Rennsportszene auf Straßenfahrzeuge,“ erklärt Norbert Schröder „ein Rennwagen, der die Spuren der legendären Mille Miglia aufzeigt oder Originalsitze hat, auf denen Caracciola saß, hebt sich von den anderen ab.“ Auch die FIFA setzte neulich ein Zeichen in dieselbe Richtung, als Fifa-Präsident Horst Brüning bei der Siegerehrung der ADAC Trentino Classic 2008 den Sonderpreis für den am besten erhaltenen, unrestaurierten Oldtimer erstmals verlieh.

„Der Grund für den Oldtimer-Trend ist rationell nicht wirklich erklärbar“, so Manfred Groß, Oldtimer-Experte des ADAC, der seit Mitte 2008 offiziell die deutschen Interessen der Oldtimer-Liebhaber bei der FIFA, dem Weltverband für klassische Fahrzeuge vertritt. „Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Zahl der Oldtimer-Veranstaltungen vom einfachen Club-Treffen bis zum hochkarätigen Concorso am Comer See beispielsweise mehr als verdoppelt.“

Oldtimer sind nicht nur etwas für Spitzenverdiener. Auch an Klein- und Mittelklassewagen wächst das Interesse, vor allem jetzt, wo die Preise in Bewegung sind. Eine Orientierung an den gängigen Oldtimer- Preislisten, die auf dem Markt sind, hält ADAC -Experte Groß jedoch für bedenklich: „Das gilt wirklich nur als ganz grober Überblick. Wer zum Beispiel unter Zeitdruck einen Wagen verkaufen will oder gezwungen ist zu verkaufen, muss mit Preisdifferenzen von bis zu 50% rechnen.“

Ein unverbastelter Golf 1 hat Potential

Dennoch wächst die Zahl der Oldtimer-Liebhaber und auch viele jüngere Menschen steigen in den Bereich der günstigeren Youngtimer ein. Experte Norbert Schröder rät auch da zur Vorsicht: „Besonders bei Youngtimern, ist der Markt hoch spekulativ. Ich könnte mir aber vorstellen, dass ein Porsche 928, der seiner Zeit in Ästhetik und technischer Brisanz weit voraus war, eine positive Entwicklung nehmen wird. Auch der Mercedes 123 als T-Model hat eine deutliche Stabilisierung erlebt. Noch zu DM-Zeiten war der Wagen für 1000 bis 3000 Mark zu haben, jetzt liegt ein guter Wagen bereits zwischen 8000 und 10000 Euro. Auch ein unverbastelter Golf 1, der so gut wie aus dem Straßenbild verschwunden ist, hat echte Chancen.“

Woran kann man sich als Neueinsteiger preislich orientieren? Norbert Schröder: „Es gibt verschiedene Anbieter wie Classic Data, die Interclassic von Schwacke, Olditax und einige mehr. Für Alltags-Klassiker im Zustandsbereich 2 oder 3 mag das ein Orientierungspunkt sein, aber sobald das Fahrzeug - und das sind Oldtimer in der Regel - individuell ist, hilft nur der Rat eines echten Oldtimer-Gutachters, bevor man Geld in die Hand nimmt und investiert.“

Désirée Rohrer Dezember 2008


Ihr Kommentar dazu:

Spamcode:
Der Kommentar wird erst nach einer Überprüfung freigeschaltet!

 

 






AddThis Feed Button

SUCHEN