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Monteverdi-Einzelkind in der Auktion



17.05.2012   Autor: Reinhard Schmidlin

Oldtimer Monteverdi
Oldtimer Monteverdi

Drei Mal pro Jahr gibt’s die Dolder Classics, ein zwangloses Treffen von Oldtimern aller Marken und jeden Alters auf dem Gelände der Kunsteisbahn Dolder in Zürich.
Der Eintritt ist frei und Reservierungen braucht es auch nicht, denn das Prinzip first come, first served – wer zuerst da ist, hat den Platz – sorgt für ein reges Kommen und Gehen. Am 10. Juni findet das nächste Treffen statt – diesmal mit Oldtimer-Auktion. Das Auktionshaus Oldtimergalerie Toffen bringt neben anderen betagten Gefährten einen einzigartigen Monteverdi MBM SP-100 O.S.C.A., Baujahr 1960 zum Aufruf. Peter Monteverdi hatte den MBM Sport 100 im Jahr 1960 mit zwei Getrieben aufgebaut, als einen auf niedriges Gewicht getrimmter offener Sportwagen mit OSCA- Doppelnockenwellen-Motor, einem Vierganggetriebe vorne und einem Fünfganggetriebe hinten. Nur das vordere Getriebe diente zum Gangwechsel während des Fahrens, während mit dem anderen die Endübersetzung
fünfstufig variiert werden konnte. Genialer Wurf oder Irrweg - fragt sich bis heute die Fachwelt.

Oldtimer Monteverdi
Oldtimer Monteverdi

Mit dem Formel Junior Rennwagen hatte Peter Monteverdi Ende der Fünfzigerjahre viel Erfahrung im Bau von motorsportlich orientierten Fahrgestellen gewonnen. Da lag es nahe, diese Expertise auch für den Bau eines Sportwagens einzusetzen. Ob man bei der Wahl der Komponenten strategisch vorging oder einfach Resteverwertung machte, lässt sich heute nicht mehr eruieren. Jedenfalls kamen ein nadelgelagerter OSCA-Motor von 1,1 Liter Hubraum mit zwei obenliegenden Nockenwellen samt angefl anschtem Vierganggetriebe und eine Lotus-Fünfganggetriebe, sowie diverse weitere Lotus-Teile, die vermutlich aus dem von Charles Vögele erstandenen Lotus 12 stammten, zum Einsatz. Als tragende Basis für den Sportwagen wurde eine leichtgewichtige Rohrrahmenkonstruktion zusammengeschweisst, der Basler Karosseriebauer Peter Häner “dängelte” eine nach Ideen von Peter Monteverdi geformte Barchetta-Karosserie aus dünnem Aluminiumblech. Fertig war der Sportwagen, der je nach Angaben zwischen 425 und 450 kg auf die Waage brachte, was mit 100 OSCA-PS eigentlich für guten Vortrieb sorgen musste.
MBM Sport wurde der Wagen genannt. Peter Monteverdi dachte wohl bereits an eine Serienfertigung, zumindest druckte er Verkaufsprospekte und stellte den Wagen auch an der Londoner Rennwagen-Show im Dezember 1961 auf. Doch der Wagen blieb ein Einzelstück und im Vergleich zur aufrüstenden Konkurrenz, z.B. dem Lotus
23 mit Mittelmotor, wirkte er schon bald etwas altmodisch.

Oldtimer Monteverdi
Oldtimer Monteverdi

Frontmittelmotor-Bauweise Dabei hatte Peter Monteverdi, der einige Jahre später mit eleganten Luxussportwagen für Furore sorgen sollte, interessante Ideen verwirklicht. Der Motor ruhte hinter der Vorderachse, vier Dunlop-Scheibenbremsen sorgten für artgerechte Verzögerung, alle Räder waren - wie beim Spender-Fahrzeug Lotus 12 - einzeln aufgehängt, hinten verschob man sogar die Scheibenbremsen im Hinblick auf minimale gefederte Masse ins Zentrum. Die “Wobbly”-Räder bestanden aus Elektron, einer leichtgewichtigen Magnesium-Legierung. Und der “Trick” mit den aus dem Cockpit - im Stand - zu wechselnden Endübersetzungen hatte auch etwas für sich.
Trotz der guten Anlagen kam es vorerst nicht zu Renneinsätzen. Die Ecurie Hoba (für Hopf-Basel), unter der der Wagen hätte antreten sollen, wurde nach einem schweren Rennunfall Monteverdis Ende 1961 aufgelöst. Peter Monteverdi pries den Renner nun als Strassensportwagen (Roadster!) an und erwähnte in der Verkaufsliteratur sogar ein Verdeck und ein Reserverad. 29’000 Franken sollte der Wagen kosten, 50% mehr als ein Porsche 356 Super 90 oder etwas teurer als ein Jaguar E-Type.

www.oldtimergalerie.ch



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