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Visionen des Weibes auf Rolls-Royce Oldtimer



22.12.2011   Autor: Klaus-Josef Roßfeldt

Oldtimer, Rolls-Royce, Rossfeldt
Oldtimer, Rolls-Royce, Rossfeldt

Zur Retro Classic 2012 kommt ein außergewöhnliches Kunstwerk: „Visionen des Weibes, Von der Heiligen zur Hure“ auf einem Rolls-Royce Silver Wraith II. Im Straßenverkehr wird das zugelassene Fahrzeug nicht bewegt, aber als ‚Kunstwerk auf Rädern’ mag er einen Anstoß geben - nachdem der Jahrestag des Mauerbaus just 50 Jahre zurückliegt - sich des Bestrebens nach Freiheit in einem großen Teil unseres Landes zu erinnern, als dort nicht allein künstlerische Freiheit versagt war.

Als Rolls-Royce im Jahr 1977 den Rolls-Royce Silver Wraith II einführte, bot das Werk damit neben dem ‚Basismodell’ Rolls-Royce Silver Shadow II – und der seinerseits gehörte zu den exklusivsten Automobilen weltweit - eine Variante für Kunden mit besonderen Ansprüchen. Es handelte sich nämlich um einen Wagen mit langem Radstand. Somit war der Rolls-Royce Silver Wraith II im Grundkonzept als Automobil für den Betrieb mit Chauffeur ausgelegt. Gleichzeitig bot er aber alles, was ein Besitzer von einem Automobil dieser Klasse erwartete, wenn er bei Gelegenheit selbst einmal das Steuer führen wollte. Gegenüber dem Basismodell Rolls-Royce Silver Shadow II war der Silver Wraith II vom Preis her deutlich höher angesiedelt. Ohne Zweifel war man sich beim britischen Hersteller bewußt, dass einige Kunden als durchaus exzentrisch einzustufen waren. Indessen war es ein Grundpfeiler der Firmenpolitik, niemals etwas zu äußern, was als Kommentar zu eines Kunden Geschmack ausgelegt werden konnte.

Dieser Grundsatz galt unverbrüchlich, als der Hersteller Kenntnis erhielt vom äußeren Erscheinungsbild des Rolls-Royce Silver Wraith II, Baujahr 1977, Chassis-Nummer #LRF30660. Denn das Auto war um die Wende der 80er in die 90er Gegenstand einer Performance, bei der der Wagen vom Dach bis unter die Stoßstangen bemalt wurde mit „Visionen des Weibes - Von der Heiligen zur Hure. Urheber war der französische Maler Christophe Emanuel Bouchet. Der hatte sich, nach mit Bravour absolviertem Studium an Top-Akademien in Frankreich, nach Berlin begeben. Zu einer Zeit, als diese Stadt noch geteilt war von der ‚Berliner Mauer’, die als Schandfleck in Erinnerung bleiben wird wegen der vielen Opfer, die beim Versuch, dem kommunistischen Regime zu entfliehen, dort ermordet worden sind. Bouchet trat binnen kurzem in Erscheinung als einer der Künstler, die teils unter Lebensgefahr, mit Aktionen die Berliner Mauer ‚attackierten’, indem sie mittels Bemalung und Performances das Unrecht anprangerten. Als Grenzwall existiert die Berliner Mauer nicht mehr, tatsächlich ist sie bis auf wenige Fragmente komplett abgetragen. Aber die Kunst blieb erhalten, weil sich Teilstücke ausgestellt finden an exponierten Stellen verstreut über die ganze Welt – ein Segment der Mauer steht heute im Museum of Modern Art in New York.

Christophe Emanuel Bouchet verfügte als etablierter Künstler neben einem Atelier in Berlin auch über eines in Düsseldorf (sowie ein weiteres in Frankreich) – und einmal in seinem Leben hat er vor vielen, vielen Jahren ein Automobil bemalt. Dass die Wahl auf einen Rolls-Royce fiel fügt sich, wenn wie im Rausch die Kunst der Provokation und die Kunst als Provokation verstanden wird.

Seit Anfang der neunziger Jahre hatte das Automobil seinen Platz unter den Exponaten privater Kunstsammlungen und blieb über all die Jahre weggeschlossen. Aber natürlich galt auch für diesen „rolling canvas“, dass ein Rolls-Royce perfekt sein muss. In regelmäßigen Abständen wurde der Wagen akribisch gemäß den Wartungsvorschriften von Rolls-Royce durchgesehen und TÜV-Untersuchungen wurden „ohne Mängel“ passiert. Dieser Rolls-Royce Silver Wraith II „Visionen des Weibes, Von der Heiligen zur Hure“ ist zugelassen, wird aber nicht im Straßenverkehr bewegt. Als ‚Kunstwerk auf Rädern’ mag er einen Anstoß geben - nachdem der Jahrestag des Mauerbaus just 50 Jahre zurückliegt - sich des Bestrebens nach Freiheit in einem großen Teil unseres Landes zu erinnern, als dort nicht allein künstlerische Freiheit versagt war.






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