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Mercedes-Benz und die Cabriolet-Kultur



01.12.2009   Autor:

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Sehen Sie hier das Video Modell über die Historie der Mercedes Cabriolets

"Cabriolet" hieß ein leichter, offener Wagen, der von zwei Pferden gezogen wurde. Das offene Fahren als Garant für gute Laune braucht jedoch in den Anfangsjahren des Automobils noch keine spezielle Karosserieform. Denn die Zeit zwischen 1886 und 1920 ist sowieso von offenen Automobilen geprägt. In den 1920ern wird das Cabriolet populär. Das Verdeck lässt sich so weit öffnen, wie das eines Tourenwagens. Die Beschaffenheit ist allerdings so, dass der Fahrkomfort bei geschlossenem Dach dem einer Limousine nahe kommt.

Zur Auswahl stehen zu dieser Zeit eine ganze Reihe verschiedener Cabriolet-Typen. Fahrzeughersteller und Karosseriebauer kennen die moderne Problematik nicht, dass aus Gründen der Karosseriesteifigkeit die Bodenkonstruktion verstärkt werden muss. Bis zum Zweiten Weltkrieg sind Fahrgestelle mit Rahmen üblich, auf denen ganz nach Wunsch verschiedene Karosserien aufgebaut werden können. Mercedes-Benz hat in einigen Baureihen Rahmenprofile unterschiedlicher Stabilität, je nach Karosserieaufbau.

Eine Sonderform und kein Cabriolet im engen Sinn ist der Tourenwagen mit Aufsatz, den es in der ersten Hälfte der 1920er Jahre bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft gibt: Der sechssitzige Tourenwagen erhält - ähnlich dem heutigen Hardtop - einen Aufbau, der einen festen Wetterschutz wie in einer Pullman-Limousine bietet.

Um diese Vielfalt der verschiedenen Cabrio-Typen durchschaubar zu machen, entsteht bei Daimler-Benz eine Klassifizierung von sechs gängigen Cabriolet-Typen. Gemeinsam ist ihnen das gefütterte und mit einem Gestänge stabilisierte Allwetter-Klappverdeck aus Stoff, das bei den Versionen D bis F in schwererer Qualität ausgeführt ist als bei den Typen A bis C. Bei Cabriolets von Mercedes-Benz ist bis in die 1950er Jahre hinein außerdem die Unterstützung der Verdeckmechanik durch ein von außen sichtbares, so genanntes Landau-Gestänge üblich.

- Das Cabriolet A ist ein zweitüriger, meist zweisitziger Wagen. Sein Verdeck reicht bis an die Türen heran.

- Das Cabriolet B hat ebenfalls zwei Türen, bietet jedoch vier Sitze und Seitenfenster für die hinteren Passagiere.

- Das Cabriolet C gleicht in der Anordnung von Türen und Sitzen dem Cabriolet B, allerdings fehlen hier die hinteren Seitenfenster.

- Das Cabriolet D ist ein viertüriger Wagen mit vier oder fünf Sitzen und schwererem Verdeck.

- Das sehr seltene Cabriolet E hat sechs Sitze und ebenfalls das schwerere Verdeck.

- Das Cabriolet F gleicht dem Typ E, hat jedoch zusätzlich Seitenfenster hinter den Hintertüren. Beide haben vier Türen.

Die sechssitzigen Varianten E und F automatisch großen, repräsentativen Fahrzeugen vorbehalten. Als Sonderanfertigung im Werk und vor allem als individuelle Karosserien unabhängiger Fahrzeugbauer, beispielsweise bei Balzer, Castagna, D'Jeteren & Frères, Farina, Geissberger, Hibbard & Darrin, Neuss, Papler, Saoutchik, Tschau und Van den Plas, entstehen allerdings bis in die 1950er Jahre hinein zahlreiche außergewöhnliche Cabriolets als Einzelstücke.



Mit Frischluft in die Fusion

Aus dem Jahr 1924 stammen die Mercedes-Typen 15/70/100 PS und 24/100/140 PS als viersitzige Cabriolets und offene Tourenwagen von der Daimler-Motoren-Gesellschaft. Im Jahr 1926 werden diese Modelle werden nach der Fusion mit Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG als Mercedes-Benz Typen weitergeführt. Mit ihrer steil stehenden Windschutzscheibe erinnern sie eher an Tourenwagen, denn an Cabrios. Deutlich erkennt man dies an dem Typ 8/38 PS (W 02). Vor allem das zweisitzige Cabriolet A zählt zu den Schönheiten seiner Zeit und ist auch als zweitüriges Cabriolet mit vier Sitzen zu haben. Den Typ 12/55 PS (W 03) gibt es bereits mit drei verschiedenen Karosserieformen als Cabriolet ab Werk geliefert. In den kommenden Jahren wird das Thema Cabriolet zwischen repräsentativen Viertürer und sportlichem Zweisitzer bei dieser Baureihenfamilie interpretiert werden.

Legendär sind die Tourensportwagen-Typen S, SS und SSK sind. Mercedes-Benz bietet die Typen S und SS von 1926 bis 1934 als zweitüriges, viersitziges Sport-Cabriolet an. Wer von 1928 an den Typ SSK als Cabriolet haben möchte, muss sich an eine der noblen Karosserie-Werkstätten wenden, denn ein SSK-Cabrio gibt es in der Mercedes-Benz Modellliste nicht. Das Segment der offenen Tourenwagen decken die Typen 15/70/100, 24/100/140 und der K ab.

Cabriolets in allen Dimensionen

Vor dem Zweiten Weltkrieg bietet Mercedes-Benz bietet so gut wie alle Baureihen auch als Cabriolet an. Der Typ Stuttgart 200 ist in den Versionen A, B und C zu haben, der Stuttgart 260 dazu auch noch als Cabriolet D. Den Typ Mannheim gibt es als Cabriolet C und D, das besonders sportlich gezeichnete Zweisitzer-Cabrio A wird als "Sport-Cabriolet" angeboten.

Mercedes-Benz Chronist Werner Oswald hebt in seiner Markengeschichte den hohen Stellenwert hervor, den die dynamische Ästhetik bei diesen Fahrzeugen gegenüber der tatsächlichen Leistung hat: "Diese Autos waren keineswegs sonderlich schnell oder leistungsstark, und der Einstieg bei geschlossenem Verdeck erforderte akrobatische Gelenkigkeit, aber die Linienführung war so hinreißend schön, dass ihretwegen schon viele Leute gern zu anderweitigen Verzichten bereit waren".

Selbst die Repräsentationsfahrzeuge vom Typ 770 "Großer Mercedes" (W 07) gibt es als Cabriolets B, C, D und F, dazu kommen Sonderaufbauten wie das zweisitzige Cabrio von Auer. Bei der Baureihe W 150, der zweiten Version des Typ 770, beschränkt sich Mercedes-Benz dann in den Jahren von 1938 an auf die absoluten Repräsentationsvarianten in Gestalt der Cabriolets D und F. Mit einem Listenpreis von 47 500 Reichsmark ist der F übrigens die teuerste Ausführung des W 150. Nur ein Einzelstück des Cabriolet B der Baureihe W 150 ist bekannt.

Dieselzünder mit Frischluft-Zufuhr

Unterschiede bei den Cabriolets von Mercedes-Benz gibt es in den 1930er Jahren nicht nur hinsichtlich der Karosserie. Auch unter der Motorhaube werden die Wagen differenziert. Der Typ 260 D (W 138) seit der Übernahme der neuen Karosserie des Mercedes-Benz 230 im Jahr 1937 nicht nur als Limousine und Pullman-Landaulet erhältlich, sondern auch als Cabriolet B und Cabriolet D.

Einen Eindruck, wie sich die Karosserieversionen innerhalb einer Baureihe verteilen, gibt der Typ 380: Von 1932 bis 1934 werden 54 Cabriolet B, 44 Cabriolet C und 16 Cabriolet A von Mercedes-Benz mit Sindelfinger Karosserien eingekleidet. Dem stehen im gleichen Zeitraum nur elf offene Tourenwagen, sieben Roadster und sechs Limousinen des gleichen Typs gegenüber.

Mit dem Cabriolet ins Wirtschaftswunder

Auch den Typ 170 V (W 136) bieten die Stuttgarter von 1936 an als Cabriolet A und B, außerdem als Cabrio-Limousine und als Roadster. Als nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Fahrzeugproduktion mit diesem weitgehend unveränderten Typ wieder anläuft, rollen aber keine 170 V Cabriolet mehr vom Band. Diese Karosserieform hat sich endgültig als etwas Besonderes etabliert, die Limousine ist zur Standardausführung geworden. Lediglich für die Polizei entstehen in der vom Mangel geprägten Nachkriegszeit die offene, eher karge Versionen der Baureihe W 136, die mit der Abkürzung OTP (Offener Tourenwagen Polizei) bezeichnet werden.

Erst der Typ 170 S (W 136 IV) ist von 1949 an als Cabriolet A und B zu haben. Diese offenen Automobile mit neuer Karosserie sind für die junge Bundesrepublik der Inbegriff des sportlich-luxuriösen Fahrens. Ihre elegante Linienführung wirkt aus heutiger Sicht wie eine Vorschau auf das so genannte Wirtschaftswunder der 1950er Jahre. Nach zwei Jahren löst der Typ 220 (W 187) mit seinen Cabrio-Versionen den 170 S ab.

Hier zeigt sich nun der Wandel. Weniger Blech an einem außergewöhnlichen, luxuriösen Fahrzeug kostet nun mehr. Die Limousine ist für 11.935 Mark zu haben, das Cabriolet B kostet bereits 15.150 Mark und der feine Zweisitzer (Cabriolet A) 18.850 Mark. Die klassische Cabriolet-Kultur der Vorkriegszeit leuchtet noch einmal auf, als Mercedes-Benz im Jahr 1951 seine neue Repräsentationslimousine vorstellt, den Typ 300. Der ist auch mit einem Verdeck zu haben, und zwar als Cabriolet D. Den Typ 300 S (W 188) dagegen bieten die Stuttgarter als Coupé, Cabriolet A und Roadster an.

Die Idee des Cabriolets im 20. Jahrhundert

Mit der Baureihe W 180 beginnt für die Mercedes-Benz Cabriolets ab 1954 in eine neue Epoche. Die selbsttragende Karosserie ist für die Konstrukteure von Cabrios eine neue Herausforderung.

Cabriolets der Oberklasse

In der zehnjährigen Bauzeit der Reihen W 111 und W 112 entstehen fünf verschiedene Cabrio-Typen dieser Baureihen ( 220 SEb, 250 SE, 300 SE, 280 SE und 280 SE 3.5) in insgesamt 7013 Einheiten.

Die SL-Baureihe W 113 (1963 bis 1971) bietet Fahrleistungund hohen Fahrkomfort in einer elegant gestalteten Sicherheitskarosserie. Im Gegensatz zum klassischen Cabriolet ist für den Roadster ein Hardtop als Wetterschutz vorgesehen. Dessen charakteristische Form mit dem nach innen gewölbten Hardtop-Dach verleiht der Baureihe ihren Beinamen "Pagode".

Noch stärker entwickelt sich der neue SL der Baureihe 107 zum luxuriösen und leistungsstarken offenen Zweisitzer. Mercedes-Benz stellt den Roadster mit der internen Bezeichnung R 107 im Frühjahr 1971 vor.

Erst im Jahr 1989 löst die SL-Baureihe R 129 ihren erfolgreichen Vorgänger ab. Erstmals gibt es einen automatischen Überrollbügel.

1996 revolutioniert Mercedes-Benz die Idee des offenen Fahrens durch den Mercedes-Benz SLK der Baureihe R 170: Das Klappverdeck des kompakten Sportwagens besteht aus Stahl, nicht aus Stoff. Die Entwickler sprechen deshalb von einem "Vario-Dach", nicht mehr von einem Verdeck. Das erfolgreiche Konzept des Stahldach-Roadsters übernimmt im Jahr 2004 der Mercedes-Benz SLK der Baureihe R 171. Auch die 2001 vorgestellte SL-Baureihe R 230 besitzt ein versenkbares Stahldach mit gläserner Heckscheibe.

Die neue E-Klasse - Klassisch als Cabrio mit Stoffdach

Den klassischen Cabrio-Ansatz verfolgte Mercedes-Benz nach einer Pause von 20 Jahren wieder im September 1991. Auf der Basis des Coupés der Baureihe 124 erscheint ein viersitziges Cabriolet, dessen Karosserie für die offene Ausführung verstärkt und aufwändig gegen Schwingungen geschützt ist. Die Tradition dieses Cabriolets der E-Klasse setzten die offenen Versionen der CLK-Klasse fort, der A 208 (1998 bis 2003) und der A 209 (2003 bis 2009). Ende März 2010 erscheint nun das Cabriolet der E-Klasse - wieder mit einem klassischen Stoffdach.

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